Richtig übersetzen, oder besser formulieren.

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Richtig übersetzen, oder besser formulieren.

Beitrag von dummy » 30.03.2008 23:34

Ich subbe gerade meinen ersten Sub und mir ist aufgefallen, dass bei vielen Stellen es nicht so gut passt 1:1 zu übersetzen.

Beispiel: Es tut mir leid, dass ich so spät nach Hause komme.
Ich würde es z.B. so übersetzen: Entschuldigt, dass ich so spät komme/bin.

In manchen Fällen würde man nicht so viel Subtitel zum Durchlesen haben und die Information wäre trotzdem richtig vermittelt.

Manches kann ich nicht übersetzen. Es sind Redewendungen oder etwas, was aus zwei Wörtern gemischt wurde (also kein richtiges Wort) z.b. Misch - Wenden oder sowas. Da überlege ich, was am besten reinpassen würde, dass es noch einigermaßen Sinn ergibt.

Ist es eigentlich normal, wenn ich so übersetze, oder ist es eher üblich alles 1:1 zu übersetzen? Wie macht ihr das?
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Re: Richtig übersetzen, oder besser formulieren.

Beitrag von Shuichi » 30.03.2008 23:45

1:1 zu übersetzen ist imo total sinnlos. Um Dinge richtig auszudrücken muss man den Text eben auf seine eigene Sprache anpassen, um den Sub allgemein authentischer zu machen muss manchmal Vokabular leicht verändert werden (solange der Sinn der selbe bleibt) und so weiter.
Der Sinn darf nicht verfälscht werden und ansonsten muss es so gut wie möglich unserer Sprache angepasst werden.

Dabei sollte man auch beachten, dass Jugendliche anders reden als z.B. Menschen aus einem mittelalterlichen Anime.

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Re: Richtig übersetzen, oder besser formulieren.

Beitrag von dummy » 31.03.2008 01:50

Daran habe ich jetzt nicht gedacht. Stimmt, manche Satzbauten könnten zu der Persönlichkeit einer Figur gehören, man müsste versuchen das bei der Übersetzung auch genauso so wiederzugeben. Sonst geht etwas von der Person verloren, sollte also lieber nicht so viel kürzen. Das erinnert mich irgendwie an einen Rumänischen oder Polnischen DUB, wo ein Typ alle Charaktere synchronisiert :)
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Re: Richtig übersetzen, oder besser formulieren.

Beitrag von Devil Doll » 31.03.2008 03:59

dummy hat geschrieben:Beispiel: Es tut mir leid, dass ich so spät nach Hause komme.
Ich würde es z.B. so übersetzen: Entschuldigt, dass ich so spät komme/bin.
"Tut mir leid" (ohne das schriftsprachliche "es") würde ich für umgangssprachlicher halten als "Entschuldigt", was mir formaler und unterwürfiger vorkäme. Es kommt aber darauf an, wie der betreffende Charakter sonst spricht (und handelt) - falls die Formalität bzw. Unterwürfigkeit ein Wesenszug dieses Charakters wäre, würde ich ggf. sogar die Gelegenheit nutzen, dies hier zu unterstreichen. Eine Rolle spielt auch die Umgangssprache des Szenarios - ein Charakter in School Rumble spricht natürlich anders als ein Charakter in Lodoss Wars, wie Shuichi bereits erwähnte. Relevant ist bei der konkreten Szene übrigens auch, ob der Charakter nur eine Erwartungshaltung nicht erfüllt oder gegen eine konkrete Absprache verstoßen hat - bei letzterem wäre mehr Unterwürfigkeit angebracht.

Das "nach Hause" würde ich nicht ohne Not opfern wollen; es könnte aber beispielsweise dann rausfliegen, wenn dadurch die Diskrepanz zwischen Sprechdauer und Zeit zum Lesen des Textes kleiner wird, also wenn in diesem Falle die japanische Audio-Version nur ca. halb so viele Silben hätte wie die deutsche Untertitel-Version. Ich muss durch diesen Verzicht etwas (anderes) gewinnen, sonst akzeptiere ich ihn nicht. Vielleicht gibt es für dieses "nach Hause" einen konkreten Bezug an einer anderen Stelle der Handlung - dann würde ich diesen Teil umso weniger opfern wollen.
Ein Beispiel dafür: Viele Anime-Charaktere (meistens Mädchen oder kleine Kinder) verwenden statt "ich" ihren Vornamen; in den meisten Fällen übersetzt man das sinnvollerweise nicht wörtlich. Bei der etwa 17-jährigen Sayuri in Kanon 2006 (wo dieses Verhalten umso ungewöhnlicher ist) wird diese "Macke" später Teil der Handlung: Yuuichi und Sayuri diskutieren ausführlich darüber, warum sie das tut, und es ist sogar ein wesentliches Element ihrer Geschichte. Die entsprechende Episode kann man dann überhaupt nicht mehr sinnvoll übersetzen, wenn man zuvor an Sayuris Sprechweise "herumgedoktert" hat - das muss man aber leider schon an der Stelle wissen, wo Sayuri das erste Mal auftritt... einer der vielen Gründe, die gegen Speedsubs sprechen.

Ein Tip: Wenn Du Dich zwischen zwei Formulierungen nicht entscheiden kannst, dann mach mal für beide eine Google-Suche. Du siehst dabei nicht nur, welche der beiden (im Web) verbreiteter ist, sondern auch, welche Art von Quellen welche der Formulierungen verwendet (z. B. wenn die eine überwiegend in Forum-Postings, die andere aber überwiegend in "seriösen Quellen" auftaucht...). Ich tue das immer dann, wenn ich ein "schwungvolles" deutsches Idiom verwenden will und mir nicht sicher bin, ob ich damit zu sehr in einen konkreten Dialekt abgleiten würde.
dummy hat geschrieben:In manchen Fällen würde man nicht so viel Subtitel zum Durchlesen haben und die Information wäre trotzdem richtig vermittelt.
Weniger Untertitel ist immer weniger Information - aber es kann Situationen geben, wo man dies im Interesse anderer erstrebenswerter Ziele in Kauf nehmen würde.
Bei einer Szene ohne wesentlichen Beitrag zum Inhalt der Geschichte hätte der Aspekt der Sprechdauer bzw. Charakter-Kompatibilität für mich eine höhere Priorität als etwa in einer Schlüsselszene der Handlung, wo ich im Zweifelsfalle lieber dem Zuschauer zumute, die Pause-Taste zu bemühen, als ihm eine für das Verständnis der Handlung wesentliche Information vorzuenthalten oder zu verstümmeln.
Beispiel: Zwei Charaktere reden über einen nicht anwesenden Dritten - Szenenschnitt zu diesem dritten Charakter, welcher niest. Wie übersetzt man das so, dass das Publikum begreift, was hier der Gag war? Ohne Fußnote wird das nicht klappen... und oft genug begreift schon der Übersetzer solche Szenen nicht.
Je mehr Aspekte des zu erreichenden Ergebnisses in die Entscheidung mit einfließen, umso besser wird üblicherweise das Ergebnis - und je mehr Du übersetzt, umso mehr Erfahrung mit Zweifelsfällen wirst Du sammeln. Es kann in Deiner Phase des Übersetzer-Daseins allerdings hilfreich sein, eine Episode mal von einem erfahrenen Übersetzer oder Editor gegenlesen zu lassen - der wird Dir erklären, worauf er bei bestimmten Stellen Wert legt und warum er bestimmte alternative Formulierungen bevorzugen würde. Ein zweiter Blickwinkel ist letzten Endes durch nichts zu ersetzen und eine intensive "Manöverkritik" kann durchaus einen vergleichbaren "Lehrstoff" vermitteln wie eine formale Schulung. Mach Dich aber darauf gefasst, schon Deine Wahl eines konkreten EngSubs als Vorlage hinterfragt zu bekommen...
dummy hat geschrieben:Manches kann ich nicht übersetzen. Es sind Redewendungen oder etwas, was aus zwei Wörtern gemischt wurde (also kein richtiges Wort) z.b. Misch - Wenden oder sowas. Da überlege ich, was am besten reinpassen würde, dass es noch einigermaßen Sinn ergibt.
Das finde ich sehr lobenswert. Den Sinn der Handlung zu verstehen und ihn dem deutschsprachigen Publikum zu vermitteln sollte Vorrang vor allem anderen haben; die Wahl der Mittel (Untertitel, Fußnoten etc.) wird sich der jeweiligen Situation anpassen. Bei vielen japanischen Spezialbegriffen lässt sich der Satzbau über das Beibehalten des japanischen Begriffs plus Fußnote viel eleganter hinkriegen als über ein komplettes Umschreiben des Satzes; bei schwer verständlichen englischen Idioms ist es hilfreich, im Zweifelsfalle das entsprechende japanische Wort herauszuhören und nachzuschlagen, zwischen welchen Alternativen sich der EngSub-Übersetzer zu entscheiden hatte (dafür braucht man keine richtigen Japanisch-Kenntnisse, ein bisschen Satzbau plus Verb-Beugung sowie ein Online-Wörterbuch Japanisch-Deutsch reichen völlig aus), um zu erkennen, welchen Spielraum man selbst im Deutschen besitzt.
Wenn Du die Handlung des Anime wirklich verstanden hast, dann wirst Du daraus ableiten können, wie Du in einem konkreten Fall zu reagieren hast. Eine Zeile, bei der Dir selbst nicht klar ist, was sie (im Kontext der Geschichte) zu bedeuten hat, ist immer ein Alarmsignal für einen potentiellen Übersetzungsfehler (ggf. auch schon im EngSub, und letzteres umso eher, falls dieser EngSub ein SpeedSub war, dessen Übersetzer den weiteren Verlauf der Handlung zum Zeitpunkt seiner Tätigkeit noch nicht kennen konnte - dann hilft nur: Entweder auf einen besseren EngSub als Referenz wechseln oder die Stelle so gut wie möglich nach Japanisch zurück übersetzen... was manchmal viel einfacher ist, als es generell klingen mag: Immerhin hast Du ja eine mindestens zu 9x% richtige englische Version vorliegen und kannst einen großen Teil der japanischen Version "zusammenpuzzlen").
Dein konkretes Beispiel mit dem "Misch-Wenden" kann ich nicht exakt nachvollziehen; möglich ist aber, dass Du zum Verständnis des Begriffs den japanischen Begriff in der (bedeutungstragenden) Kanji-Notation brauchst (kaskadierende Übersetzung mit Hilfe einer Zwischensprache wie Englisch bedeutet nun mal ständige Gefahr an Informationsverlust). Solche Fälle sind bei mir immer Kandidaten für eine Fußnote...

Und es gibt sogar Worte, die man nicht übersetzen darf, weil ihre Funktion in der deutschen Sprache nicht das wiedergeben kann, was sie in der Ausgangssprache bewirkten. Beispiel: In Ai Yori Aoshi gibt es eine Episode, wo Kaoru am Telefon seiner Verlobten Aoi mitteilt, dass er bei "tomodachi" (friend) über Nacht bleiben wird. Sowohl im Japanischen als auch im Englischen ist der Begriff geschlechtsneutral, also mehrdeutig; auf Deutsch müsstest Du Dich zwischen "Freund" und "Freundin" bzw. "einer/einem Bekannten" festlegen, wodurch diese Mehrdeutigkeit verloren geht. Aber die Handlung der Episode basiert darauf, dass die (leicht verletzbare) Aoi an dieser Stelle gar nicht auf die Idee kommt, dass es sich hier um ein anderes Mädchen handeln könnte (was sie erst viel später und in einem brisanten Kontext erkennt, wo es immerhin um einen Kuss zwischen Kaoru und diesem Mädchen geht) und deshalb ohne Zögern (weil ohne Risikobewusstsein) ihre Einwilligung gibt (und Kaoru sich selbst später Vorwürfe macht, diese Mehrdeutigkeit nicht sofort aufgeklärt zu haben). Die gesamte Episode steht und fällt also mit diesem einen Wort: "Freundin" würde Aois anschließenden Schock unverständlich werden lassen, "Freund" würde Kaoru explizit als Lügner hinstellen (was er nicht ist).
dummy hat geschrieben:Ist es eigentlich normal, wenn ich so übersetze, oder ist es eher üblich alles 1:1 zu übersetzen? Wie macht ihr das?
"Üblich" ist es leider viel zu oft, 1:1 zu übersetzen - besonders im Falle nicht verstandener englischer Idioms, bei denen die deutsche Version dann meistens grotesk unsinnig ausfällt. (Es juckt mich in den Fingern, Beispiele zu bringen, aber die entsprechenden Subber würden sich angepisst fühlen.)
Ich bevorzuge mutige, am Inhalt orientierte Übersetzungen; insbesondere hasse ich deutsche Übersetzungen japanischer Animes, bei denen man in jeder fünften Zeile den Satzbau des zugrunde liegenden EngSubs exakt herauslesen kann (wobei dann dieser Satzbau im Deutschen natürlich auch noch grammatikalisch falsch ist oder sich von dem in diesem Fall auf Deutsch üblichen Idiom stark unterscheidet) und deshalb zum vollständigen Verständnis der Handlung in drei verschiedenen Sprachen gleichzeitig denken muss (denn ganz ohne Japanisch-Verständnis kommt man auch bei einem GerSub nicht aus, etwa was Honorifixe, Redensarten, zeremonielles Verhalten etc. angeht).

Wenn Du den Stil eines Übersetzer/Editor-Teams herausfinden willst, dann nimm Dir einen GerSub, der Dir gefällt, und vergleiche eine Episode davon mit den zu dieser Episode verfügbaren EngSubs (es reduziert Deine Arbeit, wenn Du einen GerSub auswählst, zu dem es nur wenige EngSubs gibt...).
Ein nettes Beispiel dafür wäre etwa School Days Episode 1, zu dem die EngSubs von AniYoshi und Conclave (beide ziemlich zeitnah zur Ausstrahlung in Japan erschienen, also "riskant" als Vorlage mit hoher Gefahr an Verständnisfehlern) deutlich voneinander abweichende inhaltliche Interpretationen aufweisen und man dem GerSub von GK sofort ansieht, dass dort an all diesen Stellen die Conclave-Version verwendet wurde.

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Re: Richtig übersetzen, oder besser formulieren.

Beitrag von axex » 31.03.2008 10:51

oh man, ich hab mir mal diesen monsterbeitrag gelesen, und finde, sowas könnte(sollte) man ins fansub-wikki reinstellen,
aber hier?

meiner meinung nach sind die informationen sehr umfangreich und detailliert, dennoch nicht geeignet als posting.
dadurch das die rückmeldung und aufklärung so umfangreich und datailliert ausfällt, weicht das ganze etwas von den fragen und zieht sich nur dahin.

kurz gesagt; so ein mosterbeitrag will keiner lesen, aber dennoch infromationen haben.

lösung: kurze präzise sätze/antworten.

beispiel:
dummy hat geschrieben:Ich subbe gerade meinen ersten Sub und mir ist aufgefallen, dass bei vielen Stellen es nicht so gut passt 1:1 zu übersetzen.

Beispiel: Es tut mir leid, dass ich so spät nach Hause komme.
Ich würde es z.B. so übersetzen: Entschuldigt, dass ich so spät komme/bin.

In manchen Fällen würde man nicht so viel Subtitel zum Durchlesen haben und die Information wäre trotzdem richtig vermittelt.
die übersetzung sollte einfach charater- und situationsbezogen sein und keine infromation verlieren/vorenthalten, wenn du der meinung bist das deine kurzversion der vorher erwähnten bedingungen entsprechen , dann spricht eigentlich nichts dagenen.
~~Logik~~

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Re: Richtig übersetzen, oder besser formulieren.

Beitrag von dfens » 31.03.2008 12:06

Es ist doch lobenswert, wenn sich jemand die Mühe macht und so ins Detail geht.
Solche Beiträge sind mir persönlich lieber als die üblichen Antworten im Telegrammstil, deren Informationsgehalt oft große Lücken aufweisen oder neue Fragen aufwerfen.

Eigentlich sollte es auch nicht zur Debatte stehen, wie andere User ihre Beiträge verfassen.

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Re: Richtig übersetzen, oder besser formulieren.

Beitrag von axex » 31.03.2008 13:31

hm, ich werde wohl die niederlage hinnehmen müssen.
~~Logik~~

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Re: Richtig übersetzen, oder besser formulieren.

Beitrag von dummy » 31.03.2008 15:20

Nein, nein.. Ist schon ganz gut von Devil Doll gewesen. Ich habe mehr Interessantes und Wissenswertes erfahren, als ich erwartet habe. Er hat nicht nur meine Fragen gut und ausführlich beantwortet sondern auch gleich wertvolle Tipps mitgegeben.

Find ich richtig gut, dass sich jemand so viel Mühe macht. Vielen Dank.
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Re: Richtig übersetzen, oder besser formulieren.

Beitrag von Devil Doll » 31.03.2008 23:14

axex hat geschrieben:oh man, ich hab mir mal diesen monsterbeitrag gelesen, und finde, sowas könnte(sollte) man ins fansub-wikki reinstellen
http://wiki.fan-sub.de/index.php?title=%C3%9Cbersetzer

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Re: Richtig übersetzen, oder besser formulieren.

Beitrag von ZweiPi » 15.04.2008 21:13

blob(Thema hochhol)
So mir stellt sich grad das Problem, das in einer der Folgen beim Übersetzen sämtliche ausdrücke/Beleidigungen gesagt werden, welche mir aus dem englischen geläufig sind. Die frage Ist nun soll ich diese ungeschönt ins deutsche übersetzen oder nicht.
ZumBeispiel der Satz: "You stupid pieces of shit".
Normal: "Ihr seit nur ein Haufen Sche++++".(und da fängt die freiwillige Selbstzensur an) oder "Ihr seid zu blöd zum #########"(und hier geht es weiter.)
Mein Version: "Ihr verdammten Idioten" oder "Ihr seit nichts weiter als Dreck".
Zweites Problem ist halt, wenn so ein Charakter mal in Fahrt kommt, dann sagt er nicht nur einen Satz dieser Sorte.
Was haltet ihr davon. Schön mit reinhauen oder sachte abbremsen.
MfG ZweiPi
PS:(Leider könnt ihr das Ergebnis erst in Episode fünf sehen^^[wenn der Sub erstmal draußen ist])

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Re: Richtig übersetzen, oder besser formulieren.

Beitrag von TheEnd » 15.04.2008 23:08

wenn auf jap wirklich geschimpft wird mit harten wörtern, dann sollte man das auch so übersetzen. oder willst du pokito spielen und die fansubs kinder sicher machen?

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Re: Richtig übersetzen, oder besser formulieren.

Beitrag von Devil Doll » 16.04.2008 01:24

Gerade bei solchen Problemen bietet es sich sehr an, den EngSub komplett zu ignorieren und aus dem Japanischen zu übersetzen (und dann gemäß Charakter und Situation) - Worte wie chikushou oder kuso wird man ja wohl noch mit dem Ohr identifizieren können. Von Begriffen dieser Art scheint ein überschaubares Repertoire zu reichen, ein Blick in JASMS hilft da fürs Erste schon weiter.
Schimpfworte fallen bei mir technisch in dieselbe Schublade wie "tadaima" oder "sumimasen": Was der EngSubber daraus gemacht hat, interessiert mich überhaupt nicht, weil der japanische Begriff im Deutschen bestimmt mindestens fünf, wenn nicht zehn Möglichkeiten bietet und ich mir die Auswahl zwischen diesen nicht vom EngSubber einschränken lasse.
Mir hat beispielsweise gut gefallen, wie Harima im GerDub zu School Rumble sprachlich präsentiert wurde - nie obszön, sondern auch bei höchstem Ärgerpotential immer bildhaft und mit einem Touch Coolness. Das passt zu seinem Auftreten und zum Charakter der gesamten Geschichte (man soll über seine Anfälle ja lachen und nicht davon erschreckt werden) - egal, was seine exakte Wortwahl auf Japanisch im Einzelfall sein mag. Bei einem Yakuza-Movie hingegen dürfte man auch tiefer in die Slang-Kiste greifen (wobei ich persönlich vor allzu fäkalen Begriffen zurückschrecken würde... aber wahrscheinlich würde ich entsprechende Animes dann gleich gar nicht erst übersetzen wollen).

Die Frage, was man der Zielgruppe zumuten darf, stellt sich heutzutage IMHO kaum noch - mit ein paar deftigen Flüchen schockiert man heute vermutlich keinen Zwölfjährigen mehr (der im Fernsehen vor 22 Uhr auch schon Tatort und diverse US-Actionfilme ansehen kann, was vermutlich beides nicht mit dem "mithalten" kann, was er tagsüber auf dem Schulhof bzw. in seiner Clique zu hören bekommt...), zumal der Rest der Handlung des entsprechenden Animes das Publikum vermutlich auch nicht in Watte packen wird. Und wer sich Fansubs von Action-Serien aus dem Internet herunterlädt, der fällt vermutlich nicht vor Schreck in Ohnmacht, wenn in einem Anime ein 17-jähriger Junge (mit mehr Muskeln als Gehirnzellen) einen anderen mit "Du Wichser" anmacht, bevor die Prügelei losgeht... (siehe auch den deutschen Kinofilm ähnlichen Namens mit Zielgruppe:FSK12) Was natürlich keine Aufforderung sein soll, "Proletensubs" zu erstellen - es kommt halt darauf an, die Charaktere so reden zu lassen, wie sie das auf Deutsch tun würden.
Ausnahmen bestätigen die Regel: Auch in einem "sauberen" Ghibli-Movie könnte ein Charakter einen Wutanfall bekommen, der dann im Extremfall als "verdammt nochmal" oder (für noch jüngeres Publikum) "verflixt und zugenäht" eingedeutscht werden kann. Das ist aber nicht zwingend aus der eventuellen Altersfreigabe des Films abzuleiten, es wird allein schon aus Gründen der Konsistenz der Sprechweise des Charakters erforderlich sein: Ein zehnjähriges Kind schimpft vielleicht wie ein Rohrspatz, aber es flucht nicht wie ein Bierkutscher.

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Re: Richtig übersetzen, oder besser formulieren.

Beitrag von ZweiPi » 16.04.2008 20:13

Nunja, Aktion-Streifen wird es nicht(nichts für den Anfang :cry: )
Das mit der japanischen Direktübersetzung ist ein Idee, wenn unser Japanisch lernender Member mal Zeit hat. Wir haben im schon im Anspann von Folge eins völlige Fehlübersetzungen gefunden, obwohl ich meinerseits auf das Englische vertrauen muss.

Dann wird die Stelle ihm als QC halt noch einmal vorgesetzt(halbe Folge) :lol: . Um beim Thema zu bleiben. Die Ausdrücke sollen weder niedlich sein(wie "bakara"(Idiot)) oder lachhaft, sondern sind direkt als "Argumentationshilfen" gedacht. Sie stecken teilweise mit im Satzbau drin und gehören scheinbar ganz normal zur Folge. Ich denke das ich mit dem Ansatz von Devil Doll auch mitgehen kann, das man die Fäkalbegriffe vermeiden soll aber sonst alles mit rein nimmt, was im großen Teil auch bisher der Stil war, wenn auch vielleicht noch ein bisschen zu nett.
In den bisherigen Animes, die ich geschaut habe, stellte sich dieses Problem nur sehr selten. So dass ich lieber noch mal nachgefragt habe.
MfG ZweiPi

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Re: Richtig übersetzen, oder besser formulieren.

Beitrag von Taxy » 25.04.2008 14:51

Zum Thema Schimpfwörter-Übersetzen muss ich noch eine kleine Anekdote anbringen.

Als ich Aachi & Ssipak übersetzt habe, bei dem es vorwiegend um Kot ging, habe ich mir eine Schimpfwörterliste angelegt, damit das Ganze nach 50 Schimpfwörtern nicht eintönig wird, und mich dann per Strichliste daraus bedient, damit die mir passend erscheinenden Schimpfwörter in gleichmäßiger Weise über den Sub verteilt wurden. Natürlich habe ich mich nicht wahllose aus der Liste bedient, aber für so einen Extremfall, wo es permanent um Fäkalien und entsprechende Schimpfwörter ging, war dies eine Lösung, die sich am Ende gut bezahlt gemacht hat. In der Vorauswahl habe ich dann auch bewusst auf Schimpfwörter verzichtet, die ich grundsätzlich in diesem Anime nicht verwenden wollte (ich kannte ihn zu diesem Zeitpunkt natürlich schon), um es nicht ZU niveaulos werden zu lassen. :lol:
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Um klar zu sehen,
genügt oft ein Wechsel der Blickrichtung.

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Re: Richtig übersetzen, oder besser formulieren.

Beitrag von Trippley » 15.05.2008 19:31

Bei Wörtern die etwas ausstrahlen sollen. (Ich mach hier mal nen Beispiel aus Shakugan no Shana) Shana: Urusai Urusai Urusai (ich liebe dieses Beispiel xD) kann man mehrere Stufen von Höflichkeit anwenden.

1: Sei leise.
2: Fresse
3: Halt die Klappe
4: usw. usw.

Es gibt eigentlich halt eine Anzahl Wörter die man umformen darf man muss nur die Bedeutung einfangen. (Bitte jetzt noch auf den letzten Absatz hier achten)

(Im englischen sub immer mit shut up! shut up! shut up! übersetzt im Deutschen ist sowas schwieriger zu übersetzen wenn man die Wörter nicht hat, ausser man übersetzt das gar nicht das ist ja das beste ^^)

Nochn Beispiel wo man nicht soviele Möglichkeiten hat... Baka (gleiche Bedeutung wie aho nur öfters benutzt)

Da gibs eigentlich genaue übersetzungen wie Idiot, Depp da hat man ein eingeschränktes Vokabular.

Man muss die Wörter eigentlich auf die Stelle und Emotionen anpassen. Wenn Baka z.B. Schnell ausgesprochen wird würde Depp besser passen als Idiot weil es ja auch im Deutschen schnell ist. Wenn dagegen Bakaaaa kommt würde ich aufjedenfall Idiot wählen. Wenn die Person fröhlich ist sollte man gekonnte Wörter einsetzen. Als Zusatz sozusagen, der ist aber auch meistens in den Engsub. (manchmal auch nicht dann muss man ihn hinzufügen)
Ich? Ich mach doch gar nichts :3

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Re: Richtig übersetzen, oder besser formulieren.

Beitrag von TheEnd » 16.05.2008 18:27

das heißt baaaaaka(die betonung fällt auf den ersten vokal, bei japsen ist es ähnlich wie bei den russen)

es spielt keine rolle ob das wort im deutschen auch schnell ausgesprochen wird oder nicht, muss nur gut die information/emotion übermitteln. beim langgezogenen baka würde ich(aus erfahrung) mit dumkopf übersetzen(kommt oft in love animes vor) das kurz gesprochene baka kommt oft vor, wenn der chara eingeschnapt ist und in dem fall passt idiot am besten. es kommt immer auf die szene an, das sind nur die beispiele für oft vorkommende situationen.

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